Dall’Agocchies Passeggiare nelle Guardie

sidesword fencing marozzo

Ich hab mich bei den widrigsten Untergrundbedingungen für euch rausgewagt, um euch das Passeggiare nelle Guardie vorzuführen. Ein recht simpler Seitschwert-Drill von 1572, der seinen Nutzen aber nicht verfehlt und sich besonders für AnfängerInnen hervorragend eignet.

In Dialogform unterrichtet Giovanni dall’Agocchie seinen Schüler Lepido, belehrt ihn, dass das Wandeln durch die Guardien, essentieller Bestandteil der Fechtkunst sei, eine grundlegende Übung, um Grazie & Anmut im Fechten mit dem Seitschwert zu erlangen. Ganz in der Tradition der Bologneser Schule, wenn doch ein später Vertreter neben den klassischeren wie Achille Marozzo (1536) & Antonio Manciolino (1531), beschreibt dall’Agocchie in seinem Fechtbuch Dell’Arte di Scrima Libri Tre von 1572 die Grundlagen des Umgangs mit dem einhändigen Schwert, jedoch didaktisch weitaus besser aufbereitet als viele andere Werke dieser Zeit.

Für die Lesefaulen gibt es diesen „Hutenlauf“ in Videoform zum Mitmachen aufbereitet. Unten findet ihr auch noch die Textstelle aus dem Dialog zwischen Fechtmeister und Schüler in deutscher Übersetzung, eine Kurznotiz der Fechttechniken sowie das Gesamtpaket samt italienischem Original als PDF zum Download.

Ablauf des Passeggiare nelle Guardie

1. Beide Füße zusammen, rechter zeigt nach vorne, Schwert links an der Seite

2. Schritt mit rechtem Fuß nach rechts
Falso & Riverso Squalimbro, endet in Coda Lunga Stretta
(alternativ mit Riverso Tondo & Riverso Squalimbro)

3. Schritt nach links vorne mit dem linken Fuß
Falso & Mandritto Squalimbro, endet in Cinghiale Porta di Ferro

4. Schritt vorwärts mit dem rechten Fuß
Dritto Tramazzone, endet in Porta di Ferro Stretta

5. Schritt vorwärts mit dem linken Fuß
Falso & Riverso Squalimbro, endet in Coda Lunga Alta

6. Schritt vorwärts mit dem rechten Fuß
Riverso Ridoppio, endet in Guardia d’Alicorno
Imbrocatta-Stich ohne Schritt, endet in Porta di Ferro Stretta

7. Schritt rückwärts mit dem rechten Fuß
Falso & Riverso Squalimbro, endet in Coda Lunga Alta

8. Schritt rückwärts mit dem linken Fuß
Mandritto Tramazzone, endet in Porta di Ferro Stretta

9. Schritt rückwärts mit dem rechten Fuß
Dritto Tramazzone, endet in Cinghiale Porta di Ferro Stretta

10. Schritt rückwärts mit dem linken Fuß
Falso & Riverso Squalimbro, endet in Coda Lunga Stretta


Tipp zur Imbroccata

Da dall’Agocchie explizit will, dass der Imbroccata-Stich ohne Schritt erfolgt, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen, um diesem Angriff nochmal etwas Schmackes mitzugeben. Dazu ziehe ich nach dem Riverso Ridoppio gleich noch etwas auf in eine Guardia, wie sie bei Angelo Viggiani beschrieben wird, die Seconda Guardia Alta Offensiva Perfetta, mit dem Arm oben angezogen, dem Oberkörper frontal und der linken Ferse leicht angehoben. Erst aus dieser Position steche ich, durch die Guardia d’Alicorno gehend, meine Imbroccata & baue durch eine aus dem ganzen Körper kommende Drehung in eine leichte Profilstellung  nochmal das nötige Momentum mit auf.

Auf den folgenden Kupferstichen sind noch die Seconda Guardia Alta Offensiva Perfetta (Viggiani, 1575, links) und die Guardia di Becca Cesa (Marozzo, 1567, rechts – diese entspricht dall’Agocchies Guarida d’Alicorno):

Glossar der italienischen Fechtbegriffe

Guardien:

Cinghiale Porta di Ferro: Linker Fuß vorne, Hand auf Hüfthöhe über dem linken Knie, Spitze auf den Gegner gerichtet

Coda Longa Alta: Rechter Fuß vorne, Hand über dem Rechten Knie auf Brusthöhe, Spitze auf den Gegner gerichtet

Coda Longa Stretta: Rechter Fuß vorne, Hand auf Hüfthöhe über dem rechten Knie, Spitze auf den Gegner gerichtet

Guardia d’Alicorno: Rechter Fuß vorne, Hand auf Kopfhöhe über dem rechten Knie, Spitze leicht nach unten auf den Gegner gerichtet

Porta di Ferro Stretta: Rechter Fuß vorne, Hand auf Hüfthöhe innerhalb des rechten Knies, Spitze auf den Gegner gerichtet

Hiebe & Stiche:

Falso: Unterhau mit der kurzen Schneide

Imbrocatta: Stich von oben nach unten

Mandritto Squalimbro: Schräger Oberhau von rechts

Mandritto Tramazzone: Oberhau von rechts aus dem Handgelenk

Riverso Ridoppio: Unterhau von links mit langer Schneide

Riverso Squalimbro: Schräger Oberhau von links

Riverso Tondo: Mittelhau von links

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